Der ständige Vergleich auf Instagram & Co. und der Selbstwert
Man öffnet Instagram entspannt und legt das Handy zwanzig Minuten später mit einem schlechteren Gefühl über sich, den eigenen Körper, das eigene Leben wieder weg. Der Vergleich mit anderen läuft auf Social Media fast wie von selbst – und trifft viele Jugendliche tief. Die gute Nachricht: Wer versteht, wie dieser Mechanismus funktioniert, kann ihn entschärfen.
Worum geht es beim ständigen Vergleich?
Es geht um den Vergleich des eigenen, ganz normalen Alltags mit den Höhepunkten aller anderen – jenes leise „die anderen haben es besser“-Gefühl, das beim Scrollen entsteht. Ausgelöst wird es von makellosen Körpern, perfekten Urlauben und scheinbar mühelosen Erfolgen. Verglichen wird sich dabei mit einer sorgfältig ausgewählten Bestenliste: gefiltert, inszeniert, herausgepickt.
Wie verbreitet ist das?
Sehr verbreitet, und besonders Mädchen sind betroffen: Der Vergleich nach oben ist für die meisten Jugendlichen, die viel Zeit in den Feeds verbringen, fester Bestandteil der täglichen Nutzung. Studien zeigen übereinstimmend, dass fast alle das „alle sind weiter als ich“-Gefühl kennen. Euer Kind ist damit keine Ausnahme, sondern Teil einer sehr großen Gruppe.
Wann wird der Vergleich zum Problem?
Zum Problem wird er, wenn ein Feed regelmäßig kleiner statt größer macht – dann ist es kein harmloser Zeitvertreib mehr, sondern eine echte Belastung. Nicht jeder Blick in den Feed schadet, doch hellhörig werden sollte man, wenn sich bestimmte Muster zeigen:
- Nach bestimmten Accounts geht es eurem Kind zuverlässig schlechter.
- Es vergleicht, wie die eigenen Beiträge im Vergleich zu anderen ankommen – Likes werden zur Messlatte.
- Es bearbeitet Fotos stark oder vermeidet es, überhaupt fotografiert zu werden.
Diese Muster sind das Signal, dass aus einem Zeitvertreib eine Belastung geworden ist – und dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Was zeigt die Forschung dazu?
Die Forschung zeigt: Der Vergleich nach oben senkt verlässlich den Selbstwert und kann depressive Beschwerden verstärken. Auch die WHO weist darauf hin, dass eine problematische Social-Media-Nutzung mit einem schlechteren psychischen Wohlbefinden Jugendlicher zusammenhängt (WHO Europa/HBSC 2024). Besonders anfällig sind diejenigen, die ohnehin zum Vergleichen neigen – gut belegt und genau deshalb ernst zu nehmen, ohne in Alarmismus zu verfallen.
Warum fällt das Loslassen so schwer?
Weil Vergleichen zum Teil automatisch abläuft: Das Gehirn ordnet ein und bewertet, bevor man sich bewusst dafür entscheidet. Die Inhalte sind zudem gezielt darauf gemacht, beneidenswert zu wirken. Erschwerend kommt hinzu, dass oft genau die Accounts, die wehtun, am schwersten loszulassen sind. Das ist kein Charakterfehler und kein Willensproblem, sondern ein menschlicher Reflex, der hier ausgenutzt wird.
Was hilft wirklich?
Nicht der Verzicht auf Social Media, sondern eine bewusste Auswahl dessen, was im Feed landet. Wer die Auslöser entfernt, setzt genau dort an, wo der Mechanismus beginnt. Was vielen hilft:
- Den Followings ehrlich aufräumen: alles stummschalten oder entfolgen, was zuverlässig schlechter fühlen lässt – ohne schlechtes Gewissen.
- Accounts folgen, die das echte, unperfekte, ungefilterte Leben zeigen.
- Den Feed nach der eigenen Stimmung kuratieren, nicht nur nach Interessen.
- Sich bewusst machen: Was man sieht, ist eine Auswahl der besten Momente, kein vollständiges Leben.
Warum funktioniert diese Auswahl?
Weil man das Vergleichen zwar nicht abschalten kann, aber selbst bestimmt, womit man sich vergleicht. Wer die Auslöser entfernt, setzt genau dort an, wo der Mechanismus beginnt. In der Verhaltenstherapie heißt das Reizkontrolle: Ändert man die Inhalte, ändert sich auch der automatische Gedanke, der ihnen folgt. Kleine Anpassungen am Feed wirken hier oft mehr als jeder gute Vorsatz.
Worüber lohnt es sich zu reden?
Über das, was beim Scrollen wirklich guttut oder wehtut – und zwar nicht mit Sorge oder Kritik, sondern mit echtem Interesse in einem ruhigen Moment. Startet mit offenen Fragen statt mit Vorwürfen:
- „Gibt es Accounts, nach denen du dich oft schlechter fühlst?“
- „Was tut dir beim Scrollen eigentlich gut – und was eher nicht?“
- „Wollen wir mal zusammen ausmisten, wem du folgst?“
Genau hier setzt Digital Mastery an: Beide Seiten bewerten denselben Alltag und sehen, wo der Vergleich im Feed wirklich zur Belastung wird – als faire Grundlage für ein Gespräch auf Augenhöhe statt für den nächsten Vorwurf.
Quellen
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